"Weisse Katze, schwarze Katze"

196 Seiten, ca. 500 Fotos

Mit Texten von

Peter Achten, Chen Jianghong, Dominique Dreyer, Urs Morf,Fritz Franz Vogel, Jean-Pierre Voiret


Neu! Das Buch ist auch als E-Book beim Verlag erhältlich.

Die Fotografien von Walter Landolt (*1953) zeigen ein China der 1980er- und 1990er-Jahre. Dies ist die grosse Zeit der neuen Westorientierung des zuvor abgeschotteten (und von militärischen Kreisen verschiedener Nationalitäten wie der Schweiz bereits seit 120 Jahren mit der ‹gelben Gefahr› pejorativ assoziierten und diffamierten) Landes. Parallel zu den journalistischen Arbeiten für die Agence France Presse und andere Agenturen in Beijing werden hier die rund 1000 Kleinbildfilme ausgewertet, die mit ihrem S/W-Charakter ein Bild des Umbruchs und des beginnenden Wettbewerbs zeichnen. Mit ihrer unprätentiösen Zustandsbeschreibung sind die Bildbelege weniger für die Tagespresse zweckorientiert als mehr Einsicht gebende Alltagsfotografien. Es sind nicht Bilder des geschönten Arrangements, sondern schnelle Strassenfotogrfien, die heute eine andere, möglicherweise da und dort sentimentale oder anekdotische Qualität vermitteln, aber gerade deshalb mit ihrer Authentizität überzeugen.

Fritz Franz Vogel, Verleger

不管白猫、黑猫,逮住老鼠就是好猫。
Bùguǎn bái māo, hēi māo, dàizhù lǎoshǔ jiù shì hǎo māo.

Egal, ob die Katze weiss oder schwarz ist, Hauptsache, sie fängt Mäuse. Deng Xiaoping

April 1984. Schwefelgeruch hängt über Beijing, das unter einer braungrauen Decke von Smog liegt. In wenigen Jahren werden meine Objektive ihre Schärfe verloren haben, denn der Kohledunst in Verbindung mit dem feinen Lössstaub wird sogar die inneren Linsen braun beschichten. Die holprige Flughafenstrasse, gesäumt von Weisspappeln, teilen wir mit einigen Militär-Jeeps, wenigen hell- blauen Taxis aus den 1950er-Jahren und vor allem mit Pferdefuhrwerken und Fahrrädern. Ein paar Tausend Ausländer leben verteilt auf ein paar ummauerte Ghettos und in den wenigen Hotels, die den wenigen Geschäftsleuten offen stehen. Frühstück gibt’s um 5, Mittagessen um 11 und Abendessen um 5. Falls man denn ein Restaurant findet. Abends um 6 ist die Stadt leer, man hört das pentatonische «Der Osten ist Rot»-Geläut des kilometerweit entfernten Bahnhofs und der noch weiter entfernten Post durch die dunstige Abenddämmerung. Dazwischen das Tuten der Lokomotiven.

Fotografen, ausser der weniger als eine Handvoll Fotojournalisten, gäbe es keine in China, wurde mir gesagt. Es gäbe sowieso nichts in China. Auf meinem Raleigh, das bewundernde Blicke auf sich zog, erkundete ich die grosse Leere, leere Strassen, die leere Verbotene Stadt, leere Landschaften. Auch leere Gesichter über blauen und grünen Jacken, noch geprägt von der Erinnerung an die Kulturrevolution.

Das Neue China war noch Zukunft, die zweitgrösste Wirtschaftsmacht der Welt kaum im Entstehen begriffen. Ausländische Firmen tröpfelten ins Land, errichteten die ersten Vertretungen und Joint Ventures, den Chinesen zu zeigen, wie man Wirtschaft macht. All die Verhandlungen, die Vertragsunterzeichnungen mit Festmählern, Vorstellungsbesuchen bei Politikern, Fabrikeröffnungen, all das wollte fotografisch dokumentiert sein. Zu meinem Glück. Aus der Leere wurden 14 Jahre, in denen ich diese Entwicklung beobachten und mit ihr wachsen konnte. Den weissen und schwarzen Katzen zum Dank.

Walter Landolt

Walters Bilder zeigten mir ein China, das ich völlig ignoriert hatte. Durch sie lernte ich das Land mit seiner Vergangenheit zu verstehen – nicht die indoktrinierte, sondern die alte Kultur und lange Geschichte des wirklichen Chinas, lernte die Menschen hinter ihren Gesichtern und ihren Bewegungen zu erfassen. Und langsam begann ich, die Welt durch das Objektiv eines Fotografen zu sehen.

Chen Jianghong

Nur wenige Ausländer konnten diesen Prozess über einen längeren Zeitraum beobachten und festhalten. Walter Landolt ist einer von ihnen. Als Fotograf konnte er eine beeindruckende Menge an Bildern über Chinas Umformung sammeln. Diesen Prozess, der alle Aspekte Chinas beinhaltet und von zahllosen Journalisten, Historikern, Wirtschaftsspezialisten, Soziologen sowie Malern und Künstlern beschrieben wurde, machte er sichtbar.

Dominique Dreyer

All denen, die es mir ermöglicht haben, in China zu leben und das Land kennen lernen zu können und denen, die direkt oder indirekt zu diesem Buch beigetragen haben, gebührt mein Dank.

Aquiles C., Arthur M., Dominique D., Elisabeth K., Forest A., Fritz Franz V., Georg S., Hans G., Jaime F., Jianghong C., Jing Y., John C., Josef K. (†2015) , Karin K., Lao Liu, Laohu D., Lawrence M., Lisha Z., Markus S., Michèle M., Paul C. , Peter A., Pi U., Qingang F., Qinqin L., Ron C., Simon W., Sophie T., Tim M., Urs M., Weng L., Xiao Zhen, Yannan Z.